Aus- und Weiterbildung

Klassenraum an der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur (STFW)

26.03.2025
Manuela Talenta

Gebäudeautomation studieren zahlt sich

Die Nachfrage nach Fachleuten für Gebäudeautomation boomt. Der aktualisierte Lehrgang Dipl. GebäudeautomatikerIn HF an der Schweizerischen Technischen Hochschule Winterthur (STFW) bietet eine praxisorientierte Ausbildung – und eine Karriere mit Perspektive.

Die Digitalisierung ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Prozess um Prozess wird automatisiert, Gerät um Gerät wird vernetzt. Das gilt auch im Zusammenhang mit Gebäuden – und dafür braucht es immer mehr Fachleute. Aus- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet sind gefragt. An der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur (STFW) gibt es seit acht Jahren einen entsprechenden Lehrgang. Früher hiess er «GebäudetechnikerIn HF mit Spezialisierung Gebäudeautomation». Rahmenlehrplan und Aufbau waren seinerzeit von der STFW entwickelt worden und setzten Massstäbe. Lehrgangsleiter Rakip Sabani: «Nun hat der Branchenverband suissetec den Rahmenlehrplan verallgemeinert und die Fachrichtung klarer niedergeschrieben.» Deshalb heisst der Lehrgang neu «Dipl. GebäudeautomatikerIn HF»; als solcher wird er seit Oktober 2022 in Winterthur angeboten. Aktuell befindet er sich noch im Anerkennungsverfahren des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. «Zahlreiche Trägerschaften von Organisationen aus der Arbeitswelt unterstützen diese Neuerung – zum Beispiel eit.swiss, GNI, ICT Berufsbildung und auch die Bildungsanbieter», zählt Rakip Sabani auf.

 

Mathematik auf Bachelor-Niveau

Die Studierenden, die den Lehrgang absolvieren möchten, müssen bereits über eine Grundausbildung verfügen, über ein EFZ oder eine abgeschlossene Matura. Rakip Sabani, der nicht nur als Lehrgangsleiter, sondern auch als Fachlehrer für gebäudetechnische Fächer fungiert, weiss: «Zudem ist es von Vorteil, wenn sie sich in den naturwissenschaftlichen Fächern auskennen und Freude an ihnen haben. Fähigkeiten in puncto Elektrotechnik sind ebenfalls wichtig. Den Rest lernen sie bei uns.» Er empfiehlt ausserdem allen, einen Vorkurs in Mathematik zu besuchen. «Denn die Mathematik im Lehrgang bewegt sich auf Bachelor-Niveau.» Auch einen Englischkurs legt er den Studierenden ans Herz. «Diese Sprache wird in der Berufswelt immer wichtiger: bei Herstellern, Lieferanten und der Kundschaft. In der Gebäudeautomation sind Dokumentationen von Komponenten häufig in Englisch gehalten. Deshalb müssen die Studierenden hier sattelfest sein, vor allem im technischen Englisch.»

 

Grund- und Fachstudium

Der Lehrgang dauert sechs Semester. Während dieser Zeit erhalten die Teilnehmenden einen Überblick über die Möglichkeiten und den Nutzen der gängigsten Gebäudeautomationssysteme. Am Ende kennen sie die Schnittstellen der Heizungs-, Lüftungs- und Klimainstallationen, sie können die Zusammenhänge dieser Anlagen verstehen und auch zu deren Optimierung beitragen. In den ersten drei Semestern erhalten die Studierenden eine fundierte Allgemeinbildung sowie eine technische Grundlagenbildung. Ab dem vierten Semester geht es dann im Fachstudium gezielt in die Vertiefung der Gebäudeautomation.

 

Praktischer Unterricht

An der STFW wird grossen Wert auf eine praxisbezogene Ausbildung gelegt. «Unser Motto lautet ‹Weniger Theorie-Blabla, mehr Praxis-Aha›», so Rakip Sabani. «Wir bringen die Praxis ins Klassenzimmer und haben mehrere Werkstätten und Labore in den Schulgebäuden.» Die Studierenden sind zwar häufiger im Klassenzimmer als dort anzutreffen. Aber sie werden von Fachdozenten unterrichtet, die zum grossen Teil aus der Praxis kommen. Das gilt auch für Rakip Sabani. Der 38-Jährige ist Berater für Gebäude- und Energietechnik und war in der Privatwirtschaft tätig, bevor er an die STFW wechselte. Die Lehrpersonen bringen oft eigene Projekte mit. Anhand dieser erhalten die Studierenden theoretischen Unterricht, und sie können das Gelernte anschliessend in der Praxis in den Laboren umsetzen. «Wir haben an der STFW ein Lüftungslabor, wo unterschiedliche Anlagen installiert sind», so Rakip Sabani. «Die Studierenden können sie vor Ort programmieren, in Betrieb nehmen und Fehler suchen, die wir für sie in den Anlagen implementieren.» Das Energielabor ist nach demselben Prinzip aufgebaut. Hier befinden sich verschiedene Wärmeerzeuger wie Wärmepumpen, ein alter Ölkessel, Gaskessel, Pelletskessel sowie Speichermöglichkeiten und die gesamte Wärmeverteilung und -abgabe. Im Kältelabor gibt es wassergekühlte Kältemaschinen mit Rückkühlern auf dem Dach. Rakip Sabani: «Die Studierenden können an sämtlichen Komponenten der Gebäudeautomation arbeiten. So wenden sie die Theorie, die ihnen im Klassenzimmer vermittelt wird, direkt an.» Die STFW sei eine geschützte Werkstatt, wo auch mal etwas kaputtgehen dürfe. «Wichtig ist uns, dass die Studierenden eine gute Ausbildung erhalten und sich Wissen aneignen, damit sie am Ende bei der Kundschaft einen guten Job erledigen können.»

 

Viele offene Türen

Die Arbeitsmöglichkeiten für erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen sind vielfältig: Sie können bei Elektroinstallationsfirmen arbeiten, die sich in den Bereichen Automation, Smarthome und intelligentes Wohnen bewegen. Sie können aber auch in der Industrie tätig sein, in Planungsbüros und vielem mehr. «Der Markt ist gross, das Spektrum sehr breit», so Rakip Sabani. Ausserdem stehen den Studierenden sämtliche Projektphasen einer Gebäudeautomation offen. Sie können wählen, ob sie Automationskonzepte erarbeiten, bei einem Unternehmen tätig sein, das Komponenten wie Sensoren und Aktoren verkauft, oder in den Bereichen Programmierung und Inbetriebnahme arbeiten möchten. Rakip Sabani: «Unsere Studierenden sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt, und mit dem Fortschreiten der Gebäudeautomation wird das auch in Zukunft so sein.»

 

Höheres Einkommen

Doch gratis ist diese Ausbildung natürlich nicht. Sie kostet laut Preistabelle auf der Website der STFW zwischen 22 950 (subventioniert) und 39 150 Franken (nicht subventioniert). «Das ist eine hohe Investition für junge Menschen», weiss Rakip Sabani. Tatsächlich ist der Grossteil der Studierenden zwischen 20 und 25 Jahre alt, er kommt daher relativ frisch von der Grundausbildung. Zu rund 80 Prozent verfügen die Studierenden über ein EFZ als Elektroinstallateur oder -installateurin. Der Lehrgang lohnt sich langfristig, denn mit dem Diplom wird das künftige Einkommen je nach Position steigen. Doch zuerst sinkt der Lohn, denn die Studierenden müssen ihr Pensum auf 80 Prozent reduzieren. Der Unterricht umfasst nämlich 12 Lektionen pro Woche, wobei vier an einem Abend und acht an einem Werktag stattfinden. «An einigen anderen Schulen gibt es die Möglichkeit, im Vollpensum zu bleiben, weil der Ganztagesunterricht dort am Samstag stattfindet», so Rakip Sabani. Das sei für jene sinnvoll, die den Lohnausfall nicht stemmen könnten oder wollten.

 

Arbeitgeber bieten Hand

Seit der Lancierung vor acht Jahren wird der Lehrgang an der STFW jedes Jahr mit einer Klasse durchgeführt. Gemäss Rakip Sabanis Erfahrung bieten viele Arbeitgebende Hand für die Finanzierung. «Sie beteiligen sich an den Kosten, wofür sich die Studierenden im Gegenzug für eine bestimmte Zeit dem Unternehmen verpflichten», sagt der Fachlehrer. Er kenne Arbeitgeber, die bis zu 80 Prozent der Kosten übernommen hätten. «Andere Studierende bezahlen die Ausbildung selbst, erhalten aber trotz 80-Prozent-Pensum den vollen Lohn. Weil sie sich gesuchte Kompetenzen aneignen, finden die meisten Studierenden eine gute Finanzierungslösung mit ihren Arbeitgebern.»

Einer der gegenwärtigen Absolventen des Lehrgangs ist Jan Angst. Er gehört zu jenen Studierenden, deren Arbeitgeber für die Ausbildungskosten aufkommt. Dafür hat er sich nach dem Abschluss für drei weitere Jahre verpflichtet. Der 24-Jährige arbeitet seit 2021 als Systemintegrator am Standort Kemptthal der iQ-Home.net AG mit Hauptsitz in Hünenberg (ZG). Die STFW ist für ihn also nur einen Katzensprung entfernt. «Ich stiess auf offene Ohren, als ich mit meinem Arbeitgeber die Kostenfrage anschaute», erinnert er sich. In der Firma ist man von Abschlüssen der Höheren Fachschule überzeugt. Mehrere Mitarbeitende verfügen über einen solchen. «Auch mein direkter Vorgesetzter. Deshalb kennt er die Vorteile und bot mir Hand für die Finanzierung.»

 

Die Praxis hilft

Jan Angst befindet sich zurzeit im fünften Semester. «Wir eignen uns ein sehr breites Allgemeinwissen an», sagt er. Neues gelernt habe er vor allem in den Bereichen Lüften, Heizen, Kühlen. «Das finde ich sehr spannend, denn hier kannte ich mich bisher noch nicht aus. Was die Elektrotechnik anbelangt, so ist der Lehrgang für mich ein guter Refresher.» Waren die ersten drei Semester – das Grundstudium – eher theoretischer Natur, erhält Jan Angst seit Beginn des vierten Semesters und damit des Fachstudiums vermehrt Unterricht in den Laboren der STFW. «Das ist hilfreich und sinnvoll», resümiert er. «Es bringt sehr viel, direkt an einer Lüftung, einer Heizung oder einem Energiespeicher zu arbeiten. Wir können direkt einzelne Gewerke programmieren und vernetzen. So lernen wir, wo es Herausforderungen und Probleme gibt und wie wir sie lösen können.»

 

Vielversprechendes Diplom

Als Systemintegrator arbeitet Jan Angst bereits in der Gebäudeautomation. In diesem Beruf und bei seinem Arbeitgeber fühlt er sich wohl. «Es ist etwas Längerfristiges, deshalb plane ich in nächster Zeit keinen Stellenwechsel.» Aber er hofft, sich ein noch breiteres Wissen anzueignen und dadurch in Zukunft mehr zu verdienen. Klar, wer will das nicht? «Zudem ist das Diplom, das ich bei diesem Lehrgang erwerbe, auch in meinem künftigen Berufsleben von Vorteil», ist er überzeugt. «Es wird mir die Stellensuche erleichtern, sollte ich mich irgendwann doch dazu entschliessen, die Firma zu wechseln. Mit dem Abschluss einer Höheren Fachschule steht man in der Arbeitswelt einfach besser da.»


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